RMZ Witti-Meeris

Vererbungslehre 


Die Spielregeln der Vererbungslehre bilden das Herzstück der Zuchtarbeit. Kenntnis wie sich was vererbt ist das A und O in der Zucht. So kann vermieden werden, dass unnütze Verpaarungen gesetzt werden. Allerdings tragen viele Tiere verdeckt Farben, die sie optisch nicht anzeigen. Man unterscheidet also farblich zwischen Phänotyp (Optik) und Genotyp (genetischer Farbgebung). Da man vielen Phänotypen nicht ansieht wie ihr Genotyp farblich beschaffen ist, sind Testverpaarungen gelegentlich notwendig. Sie sollen verdeckte Farben ans Tageslicht bringen. Manchmal werden auch Überraschungseier geboren, dass sind dann Babys in Farben, die man bei den Stammbäumen der Eltern nicht erwartet hätte.

 

Es gibt 2 Gene, die in den Prognosen etwas heikler sind, da sie sich "gleitend" vererben und nicht eindeutig rezessiv oder eindeutig dominant und anfangs wusste ich ehrlich gesagt auch nicht so wirklich was ich mit dieser Information anfangen sollte. Daher nun die folgenden Inhalte, die vielleicht für den ein oder anderen interessant sein könnten:

Speziell geht's mir um das Extension Gen und das Weißscheckungsgen:

 

Weißscheckung:

SS = keine Weißscheckung

Ss = Weißscheckung unter 50%

ss = Weißscheckung über 50%

 

Wir sind schon oft gefragt worden, wie denn aus 2 Elterntieren mit ganz wenig Weiß, z.B. beide Eltern haben eine weiße Zehe, dann ein Baby fallen kann was in etwa so aussieht wie unsere Fiona:

Bei ganz wenig Weiß beider Eltern, muss eben schon mit Ss kalkuliert werden (auch bei nur einem weißen Haar theoretisch schon!). In der Verpaarung sieht das dann so aus:

Ss x Ss = 25% Wahrscheinlichkeit für SS (ohne Weiß); 50% Wahrscheinlichkeit für Ss (1 weißes Haar bis 50% des Körpers weiß) und 25% Wahrscheinlichkeit für mehr als 50% Weißscheckung => ss wie bei Fiona (Bilder oben).

Soweit, so gut.

Besonders kriminell ist aber, dass ein nicht weißgeschecktes Meeri, das wirklich nicht ein einziges weißes Haar zeigt, aber aus einer Verpaarung Ss X Ss stammt, also SS (ohne Weißscheckung) ist, verpaart mit einem anderen Meeri, dass ebenfalls aus einer Ss X Ss Verpaarung stammt und ebenfalls nicht ein auffindbares weißes Härchen hat (auch SS ist), rein logisch nur SS - Babys bringen dürfte (ohne Weißscheckung).

Ganz oft kommen hier dennoch weiße Füßchen, weiße Nasen, einzelne weiße Haare vor. Also in der Gensprache Ss-Babys mit bis zu 50% Weißanteil. 

Weißscheckung wird nicht trennscharf weitergegeben, sondern gleitend. Diese Buchstabenkombis der Gensprache können diesen Sachverhalt nicht vollständig abbilden.

Für die Zucht bedeutet das, die Stammbäume der Elterntiere gründlich anzusehen. Weißscheckung ist sehr hartnäckig in der Vererbung. Auch wenn bspw. ein Zuchttier selbst Weißscheckungsfrei ist, die Eltern ebenfalls Weißscheckungsfrei sind und bei den Großeltern lediglich ein Großelternteil väterlicher und eins mütterlicherseits Weißanteile zeigte, muss damit gerechnet werden, dass unser Zuchttier Nachwuchs mit Weißscheckung bringen kann, wobei der Anteil dann meist sehr gering ausfällt. Hier sollte der Verpaarungspartner daher, nach unserer Erfahrung, so gewählt werden, dass auch hier möglichst weit im Stammbaum keine Weißscheckung aufgetreten ist, dann erhält man auch in den allermeisten Fällen absolut Weißscheckungsfreie Schweinchen ;)

Besonders wichtig ist das eigentlich nur in der Schimmel- und Dalmatinerzucht. Oder in ganz kleinen Zuchten, die als Zuchtziel Tiere ohne Weißscheckung haben. Grade auch in der Zucht von Himalaya-Meerschweinchen kann immer wieder Weißscheckung zum Problem werden.

 

Das Extension-Gen:

Wer die Weißscheckung schon verwirrend oder spannend fand, der wird jetzt vermutlich noch ein bißchen erstaunter sein.

Das Extension-Gen beschreibt die Ausbreitung der Schwarzen Farbreihe über den Meerikörper. Also der Farben schwarz und schokolade sowie ihrer jeweiligen Verdünnungen und alle dieser Farben in Verbindung mit dem Pinkeyes-Gen P, pr und p.

Vollständig Schwarze Tiere (auch Lohetiere) sind EE , wie unsere Kalahari Sundance oder Vicky (Fotos):

Schildpatttiere, Schwarz-Rot-Brindel sind epep, sozusagen hat es die Schwarzausdehnung nicht mehr über den ganzen Körper geschafft, wie bei klein Baccardi:

Ganz Rote Tiere (gilt dür alle Farben der Roten und Goldenen Reihe) sind dann ee, also die Schwarzausdehnung hat es nicht geschafft sich über den Körper auszubreiten, wie bei Lovegame: 

 

Zusammengefasst:

EE = Schwarz

epep = Schwarz-Rot-Gescheckt

ee =Rot

Wird jetzt ein Schwarzes Meerschweinchen mit einem Schwarz-Rot-Gescheckten verpaart sind die Babys alle in der Gensprache Eep (sie sind Schwarz und tragen Schwarz-Rot-Scheckung). Optisch also alle wie Kalahari, die ist Black Tan und trägt Schwarz-Rot-Scheckung, sieht man aber nicht ;)  

Verpaart man ein Schwarzes Meeri mit einem Roten, so sind die Babys Ee (sie sind ebenfalls ganz Schwarz und tragen einfarbig Rot).    

Die Schwarzausdehnung ist aber genauso wenig trennscharf wie die Vererbung der Weißscheckung!

Was seht ihr eurer Meinung hier, wenn ihr euch El Nino und Jarod anseht?: 

 Ihr seht optisch Schwarz-Rote oder Schildpatt Tiere (mit Lohezeichnung), also epep Tiere. Stimmt aber nicht!

Was seht ihr hier an Zimba für Farben?: 

 Sepia-Creme also eine Verdünnte Variante von Schwarz-Rot, also epep Tier. Stimmt aber nicht!

Das Extension-Gen vererbt sich gleitend und besonders gravierend scheint man das bei Lohetieren zu bemerken, zumindest ist das unsere Beobachtung.

El Nino zum Beispiel sieht aus als wäre er epep: 

Er ist aber Eep oder Ee, seinen Eltern zufolge.

Bei Jarod wissen wir, er ist Ee (Rotträger) und eigentlich ein normales Black Tan (Schwarz-Lohe). Er dürfte genau wie El Nino dieses deutliche zusätzliche rote Farbfeld optisch nicht zeigen! 

Und bei unserem Zimba ist es so ähnlich. Beide Eltern von Zimba waren wie Jarod und El Nino, eigentlich schwarze Tiere, die Schwarz-Rot-Scheckung trugen, also beide Eep. Zimbas Schwester Zaire ist komplett EE. Die zweite Schwester schön geblockt epep, deutlich Schwarz-Rot-Scheckung, schön halb und halb. Und Zimba scheint optisch erstmal auch epep zu sein, ist unseren Erfahrungswerten zufolge aber Eep wie Jarod und El Nino, d.h. ein schwarzes Tier wo man keine Scheckung sehen dürfte, die nur getragen wird.

Ganz witzig wird's bei Freda: 

Optisch eindeutig Black Tan-Rot- mit Weiß, also eindeutig epep und noch Weiß. Stimmt aber auch nicht. Freda ist Ee. Freda ist genetisch ein Schwarzes Mädel ( mit Weißscheckung), das lediglich Rot trägt. Das ist mit die gröbste optische Abweichung von dem was Freda genetisch farblich eigentlich ist.

Grade Lohetiere wie Freda, die ein kleines e tragen neigen zur Ausprägung großer optischer Rotflächen. Schaut auch Jarod nochmal an, der ist wie Freda Ee. Beide müssten eigentlich gar kein Rot zeigen!      

Für die Zucht ist das schon interessant zu wissen, denn vererbt wird genetisch, nicht optisch und auch hier helfen oft nur die Stammbäume weiter, will man dahinter kommen, ob ein Tier nun tatsächlich Schwarz-Rot gescheckt ist (epep), oder vielleicht doch eher ein Schwarzes Tier ist, dass nur Rot (Ee) oder eben Schwarz-Rot-Scheckung trägt (Eep). 

Da das Thema reichlich kompliziert ist und diese Erklärung nicht grade einfach zu verstehen ist, fragt ruhig bei uns nach, wenn ihr Fragen zu diesem Gebiet haben solltet.