RMZ Witti-Meeris

Infothek 


Nachdem wir so einige Erfahrungen mit Meerschweinchenerkrankungen und Ähnlichen haben, wo auch des Öfteren der ein oder andere Tierarzt verwundert war, nachschlagen und telefonieren musste, haben wir gedacht, es macht vielleicht Sinn diese Erfahrungen zu teilen. Vielleicht hilft es euch bei euren eigenen Meeris mal.

Natürlich sind manche Behandlungen nicht grade preisgünstig, es empfiehlt sich ein Meeri-Sparschwein ;) Das können wir jedem Tierhalter nur wärmstens ans Herz legen, besonders sollte man drüber nachdenken, bevor man ein Tier anschafft, dass  im Krankheitsfall rasch mal das x-fache des Anschaffungspreises fällig wird.

Dann geht's jetzt los und solltet ihr Fragen haben, mailt uns ruhig:

 

 

Wurmkur und Parasiten

Die übliche Reaktion der meisten Tierärzte, wenn unsereins mit der Bitte um eine Wurmkur fürs Meerschweinchen um die Ecke kommt ist: "Wurmkur beim Meerschweinchen? - Macht man nicht!"

Sollte man aber! Wir kuren 2x im Jahr alle Tiere durch, denn wie andere Weidetiere auch, können sich natürlich auch Meerschweinchen die lästigen Untermieter zulegen und die Folge sind dann oft Schweinchen, die nicht aufnehmen wollen, die nicht zunehmen und nicht wachsen wollen, winzige Babys etc.

Es gibt Präparate, die gegen Würmer und viele andere Parasiten wie Grab- und andere Milben, Pilze und Haarlinge etc. zugleich wirken. Diese bieten sich an, wenn man sich bspw. mit Heu oder Streu irgendwas eingeschleppt hat. Dann kann man mit einem Präparat gleich auf Nummer Sicher gehen und alle blinden Passagiere wieder loswerden ;)

Und gegen Parasiten, wie Haarlinge oder Milben geht ohnehin jeder TA vor.

 

 

Brüche/Frakturen

Wenn sich ein Meerschweinchen durch einen Unfall ein Bein bricht: Schienen ist bei manchen Meeris zwecklos, die nagen einfach alles runter. Gibsen geht gar nicht. Halskrause auch nicht. Bei glatten Brüchen wächst meist alles von alleine wieder zusammen, wenn man das Schweinchen mal eine Weile auf sehr kleinem Raum hält, wo es sich wirklich kaum bewegen kann und mit Schmerzmitteln und den Knochen unterstützenden Medis unterstützt. Aber ich persönlich finde das sehr veraltet. Bitte klärt so etwas unbedingt mit eurem Tierarzt ab!

Bei komplizierten Brüchen: Sucht bitte eine gute Tierklinik oder einen erfahrenen Tierarzt auf, man kann die Knochen - wie beim Menschen, beim Hund oder einer Katze - durchaus verdrahten und somit richten. Amputation oder schlimmer noch, Einschläfern, ist nicht zwingend notwendig und in der Regel vermeidbar! Unsere Fiona ist der lebende Beweis dafür! Sie hatte einen fiesen Bruch des Sprunggelenks.

Revolutionsson hat aufgrund einer chronischen Mangelerkrankung einen Bruch des Oberschenkels erlitten, der sogar geklebt werden konnte. Der Patient konnte nach Aufwachen aus der Narkose, umgehend wieder laufen!

Mit einem guten Tierarzt (Meeri- erfahren!), bekommt man das wieder hin.

 

 

Geburten - Untertragen

 Bei Geburten die wenige Tage zu früh beginnen, entfalten sich die Lungen der Babys meist nicht, das Atmen funktioniert nicht. Das Sterberisiko ist hier viel höher, als wenn die Zwerge richtige Frühchen sind oder übertragen werden, denn komischerweise macht dann die Atmung keine Probleme. Das klingt paradox, ist aber bei Hunden, Katzen und Menschen (und allen anderen Säugern) ähnlich. 7 Monats Babys haben oft weniger Probleme mit der Atmung als 8-Monats-Babys.

Fakten: Meeri-Geburten zwischen dem 62. und dem 67. Tag sind am kritischsten was die Atmung betrifft.

Leider steht sowas in kaum einem Fachbuch... wie so vieles.

Für alle, die nur mal so Babys haben wollen: überlegt euch das gut! Es kann unglaublich viel schief gehen und meist erkennt ihr zu spät, dass es der werdenen Mutti nicht gut geht. Behandlungen, Kaiserschnitte, Jungtieraufzucht ohne Muttertier etc. sind kostenintensiv und für unerfahrene Halter nervlich sehr belastend!

 

Wehen einleiten und die Folgen

Müssen bei eurem Meerschweinchen die Wehen eingeleitet werden, muss meist für jedes Baby extra Wehenmittel gegeben werden! Besonders wenn Mama, so gar keine Wehen zeigt.

Es kommt vor, dass aufgrund des Wehenmittels die Milch überreichlich einschießt. Sollten die Babys nicht überleben und sind keine Ziehbabys vorhanden, die bei eurem Mädel trinken könnten, muss man rasch handeln. Eine Mastitis beim Meerschweinchen muss zeitig behandelt, besser noch, verhindert werden! Das kann sonst richtig übel ausgehen, nämlich tödlich.

Auch wenn Babys bei eurer Mama säugen, ist es ratsam die Milchbildung im Auge zu behalten, besonders wenn es nur ein oder 2 Babys sind.

Es gibt homöopathische Medikamente, die dann gegeben werden können, sodass die Babys die Milch auch weiter trinken dürfen, aber Menge reguliert wird.

Wir haben die Beobachtung gemacht, dass künstlich eingeleitete Wehen, die Geburt anders verlaufen lassen, als natürliche Wehen. Also falls ihr bei der Geburt zusehen dürft, das ist ziemlich befremdlich.

Auch sind die werdenden Mütter , die nicht ohne medizinische Hilfe gebären, anschließend oft ziemlich erschöpft und müde.  Verständlich!

Tut eurem Schweinchen was Gutes und lasst ihm Plasmaexpander, Infusionen und Vitamine verabreichen (kann ja alles durch einen Schlauch und eine einzige Nadel laufen). Wenn euer Mädchen in der Geburt, zwischen den einzelnen Babys, bereits ziemlich erschöpft ist, besteht ruhig darauf, dass schon jetzt damit begonnen wird. Es hilft den Tierchen durchzuhalten und sie kommen anschließend besser wieder auf die Füßchen.

Stellt euch einfach mal vor ihr müsstet 3, 4, oder 5 Babys bekommen ... auf einmal ;)

 

Meerschweinchennachwuchs

Wir wollen auch einmal Meerschweinchen-Babys haben! - Das ist ein Satz, den wir öfters zu hören bekommen, nicht nur aus Kindermündern.

Ganz wichtig: Sprecht offen über eure Nachwuchs-Pläne, wenn ihr euch ein Meerschweinchen kauft und bitte geht dafür wirklich zu einem Züchter, denn eine Meerschweinchenverpaarung kann ganz schnell im kostspieligen Drama münden, wenn man die falschen Eltern hat. Und beim seriösen Züchter können schon mal erbliche Zahnfehlstellungen, erblich bedingte Geburtsproblematik et. ausgeschlossen werden.

 

Es gibt ein paar Spielregeln, die helfen das Geburtsrisiko und Trächtigkeitsrisiko zu vermindern und wer seinem Meerschweinchen kein unnötiges Leid antun will, der nehme sich diese Aufzeichnungen bitte zu Herzen.

 

1) Ein Meerschweinchen-Weibchen muss für die erste Verpaarung zwischen 700 und 900g schwer sein. Gewichte deutlich über 900g erhöhen das Toxikoserisiko erheblich und eine Toxikose endet leider fast immer tödlich für die Mama und die Babys!

Und das Mädel darf bei Geburt keinesfalls älter als 12 Monate sein, da dann mit schwerwiegenden Geburtsproblemen aufgrund einsetzender Verknöcherung der Schambeinfuge zu rechnen ist. Wer ganz auf Nr. Sicher gehen will plant die Verpaarung so, dass der Wurf spätestens im 10. Lebensmonat fällt.  

Auch eine zu frühe Verpaarung birgt Risiken. Je nach Gewicht, sollte zwischen dem 5. und 8. Monat verpaart werden.

Sollte euer Traum- Weibchen bereits Babys gehabt haben, fragt den Züchter, ob die Mausi nochmal Babys haben darf. Er kann euch auch sagen wie lang die Zuchtpause sein sollte, bei welchem Gewicht etc. ihr das Tier  verpaaren dürft.

In der Regel gilt: Zwischen 2 Würfen darf maximal 1 Jahr liegen! Und Das Mädchen darf bei Verpaarung nicht schwerer sein als 1150g! Das sind grobe Richtlinien, die je nach Rasse und Größe des Mädels aber variieren!

 

2) Den passenden Papa zu euren Babys sucht ihr auch am besten mit dem Züchter zusammen aus. Es darf auf keinen Fall Schimmel X Schimmel; Dalmatiner X Schimmel oder Dalmatiner X Dalmatiner verpaart werden: Googelt einfach mal "Lethal Whites" und "Schimmelmerkblatt". Achtung: die Bilder sind nichts für zart Besaitete.

Und um Himmels Willen, niemals einen Cuy-Bock auf ein normales Meerimädel lassen!!!

 

3) Meerscheinchen tragen 68-72 Tage und meist weiß man nicht 100%ig wann der Deckakt stattgefunden hat. Somit fällt die Prognose des Geburtstermins schwer.

Das Weibchen ist nur alle 14-18 Tage brünftig und dann auch nur wenige Stunden in der Hochbrunst, wo der Bock sein Glück versuchen muss.

Ganz wichtig: Die Sau ist nur kurz nach der Geburt ihres Wurfes wieder brünftig! Laien sollten den werdenden Papa maximal 60 Tage bei der Sau sitzen lassen. Besser wäre: 4 Wochen beim Mädel sitzen lassen und dann kastrieren lassen. Dann kann der Papi beim Wurf dabei bleiben und die kleine Familie mit aufziehen, ohne dass er die Mama nachdecken kann.

 

4) Meerschweinchengeburten verlaufen recht unspektakulär und zügig. Auch hier lässt sich bei Youtube oder mittels Google Videomaterial finden.

 

5) Wenn die Zwerge auf der Welt sind bitte unbedingt sehr zeitig die Geschlechter bestimmen lassen! Die Mädchen werden schon mit 250g oder 4 Wochen geschlechtsreif, die Buben ebenfalls und es ist nicht selten, dass ein Böckchen schon mit 2-3 Wochen dieses Gewicht erreicht! Bitte spätestens mit 4 Wochen nach Geschlechtern sortieren, sonst macht ihr Bekanntschaft mit exponentiellem Wachstum und ggf Horrorgeburten! (Die Geschlechter sind ab der Geburt zu erkennen, wer was anderes sagt, hat keine Ahnung! Außerdem habe ich schon gehört, die Jungs wären erst mit 500g oder 9 Wochen geschlechtsreif... das mag in seltenen fällen so sein! Ich habe z.B. einen 21 Tage alten Bub mit 270g zur Frühkastration (also Kastra vor Geschlechsreife) gebracht und mit dem Kommentar der Tierärztin zurückbekommen, dass der kleine Mann nicht mehr als Frühkastrat durchgeht! Also die Hoden bereits abgestiegen waren und er somit zeugungsfähig war!!! Vorsicht ist besser als Nachsicht: 250g/4-Wochen-Regel ist ziemlich sicher.

 

6) Spezielle Ernährung, wöchentliches Wiegen in der Tragezeit und anschließend bei Mama und Babys sollte gewährleistet sein! Infos dazu gibt euch jeder seriöse Züchter.

 

7) Sucht euch vor der Niederkunft eures Meerschweinchens am besten einen Tierarzt bzw. eine Klinik, die sich auf Geburtshilfe und Kaiserschnitte versteht! Kein Witz! Da kann man nicht einfach anfangen zu überlegen, wenn die Sau plötzlich Blutungen bekommt, Geburtsstockungen hat oder ähnliches. Hier muss alles sehr schnell gehen, wenn Komplikationen auftreten, sonnst verliert ihr die Mama und die Kleinen!

Beim Kaiserschnitt ist die Chance der Mama und der Babys höher, wenn eine Inhalationsnarkose gegeben werden kann und keine Injektionsnarkose.

Alles in Allem kann eine Geburt ohne Medis, ohne Injektionen, Infusionen und Co. schon 200 kosten. Da kommen dann noch Medikamente und Injektionen etc. dazu, genauso wie ggf. stationäre Aufnahme, Zwangsfütterung, Röntgen, Ultraschall usw.

Wehenschwächen, XXL Babys, die die Mama nicht alleine austragen kann, quer liegende Babys, Steißlage, Toxikose, Gebärmuttervorfall, Totgeburten, Blutungen, Erschöpfung bis zum Zusammenbruch sind einige der Komplikationen die auftreten können. Und so extrem selten ist das leider nicht.

Es empfiehlt sich also, sich wirklich intensiv zu informieren und einen fachkundigen Tierarzt im Hintergrund zu haben.

 

8) Nachwuchs ist schön und gut, aber eine Meersau bringt im Regelfall zwischen 1 und 7 Babys zur Welt. Habt ihr den Platz dafür?

Die Mama hat nur 2 Zitzen, meist ist das bis 4 Babys ok. Oft muss man bei größeren Würfen zufüttern. Erkundigt euch frühzeitig bei einem Züchter, wann Zufüttern nötig ist, was gefüttert werden soll und wie viel, womit und wie oft am Tag und in der Nacht. Sollte die Mama versterben und hinterlässt einen großen Wurf  Waisen, dann müsst ihr alle 2 Stunden rund um die Uhr jeden Zwerg füttern! Könnt ihr das gewährleisten?! Keine Scheu, bei Fragen, fragt bitte nach, dafür gibt's uns ja ;)

 

9) Vermeidet Stress, vermeidet neue Futtermittel, vermeidet wechselnde Gesellschaftspartner etc. Alles was Stress bereitet, solltet ihr spätestens ab der 2. Trächtigkeitshälfte unterlassen! Und vor allem kein einhändiges Hochheben, kein dauerndes Zwangsbekuscheln oder Ähnliches. Respektiert bitte, dass Meeris Fluchttiere sind.

 

10) Diese Infos sind bei Weitem nicht vollständig. Bitte fragt einfach nach oder googelt mal. Man findet viel zu dem Thema, ein paar schöne Seiten, wie "the golden Nuggets" oder "die brain" sind ganz dankbar :)

 

 

Farben und Rassen nach MFD-Standard

Da es immer wieder mal zu Farb- und Rassediskussionen kommt, hier mal die Verlinkung zum MFD. Leider sind dort noch nicht alle Farben und Rassen beschrieben (teils noch nicht im Standard):

 

mfd- Farben nach Standard

 

MFD- Rassen nach Standard

Fakt ist auch: Schweber zwischen Slateblue und Lilac sind einfach uneindeutige Farben, Zweifarbigkeit im Slateblue, Lilac, Beige und Coffee kommen vor, Slatetiere können einen schokostich entwickeln... Schweber zwischen Solids und Lohetieren kommen auch vor.

Marder (crca-Verdünnung) sehen als Baby komplett anders aus als Alttiere. Schwarzmarder kommen in einer sehr merkwürdigen, eher an Schoko-Tiere erinnernden, Farbe zur Welt und dunkeln später sehr stark nach, werden aber nie tiefschwarz und entwickeln eine Maske. Schokomarder haben eine diffuse Farbe zwischen Slateblue und Schoko-dilutet, wenn sie geboren werden-auch sie dunkeln im Laufe der Zeit nach und entwickeln eine Maske.

Die Augenfarbe beim adulten Schwarzmarder ist immer aus sich heraus leuchtend in tiefrot. Der Schokomarder hat ebenfalls solche Augen nur geht die Farbe mehr ins Beere. Reine d.e. oder f.e. sind deutlich dunkler.

Die neuen Farben Blau und California machen es noch spannender :)